Traum und Wirklichkeit

1969 - 1972

 

Janusgleich

Die Sonne wärmt mein Herz,

aber blendet meine Augen.

Der Regen netzt meine Haut,

aber überflutet mein Gesicht.

Und auch du hast zwei Seiten.

 

Weich wie Samt meine Lippen,                                               Wie könnte ich dich nicht lieben?

Brandnarben auf deinem Körper.                                             Du kannst nichts für deinen Wahn!

Mächtig wie ein Turm, dessen                                                 Du hast nichts für deine Schuld!

Fundament in Treibsand gebaut.                                             Du bist so Nirgendjemand,

Das sind wir.                                                                          dass dich nur meine Liebe fasst.

 

Moods

Nebel über dem Wald

Gefangen in Ketten der Äste

Friedlich schlummernder See

Wellenkräuseln im Wind

Wiesen träumen

Kosten letzte Momente der Stille

Verharren...

Genuss legt sich über die 

Vollkommenheit des Friedens.

Ich atme es ein

und fühle mich für Sekunden

Glücklich.

 

1973/1974

Gewachsen, aber nicht erwachsen

 

Im Tal der Tränen möchte ich wohnen,

im Haus der Reue möchte ich einkehren,

vom Tisch der Angst möchte ich speisen,

im Bett der Schmerzen möchte ich schlafen,

damit ich mich wieder spüre.

 

 

                                             Wie ein Kind vor leerem Blatt                                             

Das absichtslos die Farben

In das Weiß hineintropft

Steh ich zuweilen

Vor euren leeren Gesichtern

Und absichtslos tropfen

Mir die Worte aus dem Mund

In allen Grauschattierungen.

Der Unterschied?

Das Kind lacht und freut sich

An dem bunten Bildergebnis.

Ich weine – auch wenn ihr es nicht seht –

Und bereue meinen

Schwarz-weißen Wörtersalat.

 

Ich suche Hände, die mich halten                                                

und finde Fäuste,

die Wunden in mein Herz schlagen.

Ich suche Worte, die mich aufrichten

und finde Sarkasmen,

die Narben in meine Seele brennen.

Ich suche Blicke, die mich trösten

und finde Eiszapfen,

die mich erstarren machen.

Sagt mir, wie ich dem

standhalten kann!

 

                                                                             

                                                                             Ich sitze im Sand und lasse die Körnchen

                                                                            der Zeit durch meine Finger rieseln.

                                                                            Mit den alten Förmchen der Kindertage

                                                                            baue ich meine Traumschlösser

                                                                            der Erinnerung.

                                                                            Und Meereswellen rollen

                                                                            und zerstören die trutzigen Burgen

                                                                            angeblich sorgsam behüteter Kindheit.

                                                                            Fassungslos betrachte ich

                                                                            das übrige Nichts.

                                                                            Tränen tropfen in den Sand.

                                                                            Trotzig schüttle ich den Kopf

                                                                            zu denen, die mich holen wollen

                                                                            um mich an meine Pflicht zu erinnern.

                                                                            So wie ich hier bin:

                                                                            Sand und Meer und Förmchen

                                                                           und Burgen und Tränen und Trotz

                                                                           frage ich euch:

                                                                           Lohnt es sich erwachsen zu werden?

 

1976-1980

Bittere Jahre

 

 

Allein in meinem Zimmer

Staub liegt auf den Erinnerungen

Der Kindheit.

Rufe nach dir – vermisse dich.

Du hörst es nicht.

Du bist neben mir in meinem Bett

Hab keinen Platz – stoß dich weg.

Du spürst es nicht.

Du kommst nicht,

wenn ich dich brauche.

Du gehst nicht,

wenn ich es will.

Was sollte dich ersetze

 

Immer noch nicht tot

                                                 Du willst mich schon begraben?                                                  

                                                 Kalter Trauerzug um deinen Mund                                                   

Pflanzt du mir Disteln auf mein Grab.

Doch schau nur, meine Hände,

sie leben noch und müssen tun,

denn alles, was ich angefangen hab,

ist lange nicht zu Ende.

Du willst mich schon begraben?

Eisige Zapfen in deinen Augen

Ziehst du mir die schönsten Kleider an.

Doch schau nur meine Augen,

sie leben noch und müssen sehn,

denn alles, was ich sehen kann,

wird nicht zum Tode taugen.

Und also bin ich leere Hülle,

vielleicht in meiner Not

ganz schnell gestorben,

doch immer noch nicht tot.

 

 

 


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